Unsere Dorfkapelle

Themen

Die erste Kapelle in Lürbke
Gespräche über den Bau einer Kapelle
Beschluss zum Bau einer Kapelle
Gründung eines Kapellen - Bauverein
Steinbrucharbeiten
Der Bauplatz wird gestiftet

Entwurf und Baubeginn der Kapelle
Aktivitäten der Schützenfamilien
Das Richtfest
Die Kapelle wird geweiht
Übergabe der Kapelle an St Josef Die Glocken von St. Hubertus

Die Kosten der Kapelle
Umgestaltung des Altarraumes
Neugestaltung der Kapelle 1991
Die Orgelweihe
weitere Bilder

 

Die erste Kapelle in Lürbke

Im Jahre 1152 wird zum ersten Male urkundlich eine Kapelle in der Lürbke genannt. Sie stand oberhalb des Bieberhofes. Die im Staatsarchiv Münster befindliche Urkunde berichtet, daß eine Verwandte Herzog Heinrichs des Löwen oder eine Lehensträgerin aus seinem Gefolge mit Namen Osterlind, diese Kapelle dem Kloster Scheda bei Wickede an der Ruhr schenkt... „ mit Feldern und Wäldern, Wiesen und Weiden und allem Zubehör, dabei eine Kapelle, die Bivernia genannt wird...“.

Im Jahre 1496 runden die Klöster Oelinghausen und Scheda ihre Besitzungen ab. Dabei kommt der Bieberhof mit der Kapelle - durch einen Tausch für einen Hof in Kessebüren - an das Kloster in Oelinghausen. Als Folge muß nun der Pfarrer von Oelinghausen in der Bieberkapelle den Gottesdienst halten. „... wie in denübrigen Hofeskapellen“.

Um 1600 schreibt Pfarrer Schmidtmann die Rechte der Pfarrei Menden auf. Er rechnet zu den „hohen Berechtigkeiten des Pastorat Menden“, einen Geistlichen für die Kapelle an der Bieber einzusetzen. Er bedauert aber anläßlich einer Visitation, daß kein Altar mehr gefunden wurde, „was vor Gott unrecht“. Er muß die Kapelle noch gekannt haben, sonst wäre er nicht zu ihrer Visitation gegangen.

Dieser Bericht ist nach den Truchseßischen Wirren verfaßt worden. Truchseß war Kurfürst und Erzbischof von Köln. Er nahm 1582 den evangelischen Glauben an, heiratete im Jahre darauf Agnes, die evangelischeGräfin von Mansfeld. Da er sich in Köln nicht halten konnte, zog er sich in das Herzogtum Westfalen zurück, um hier den neuen Glauben durchzusetzen. Seine Truppen plünderten, zerstörten Kirchen und Altäre, wie uns z.B. von Halingen bekannt ist. Die Kirche - so heißt es - ist von den Truppen des Truchseß ganz „profaniert“ worden. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß auch die Lürbker Kapelle bei dem Durchmarsch der Truppen des Truchseß durch unsere Ortschaft Lürbke 1587 zerstört wurde, und daß nach der Plünderung des Klosters Oelinghausen im gleichen Jahr kein Geistlicher mehr kam, um den Gottesdienst hier zu halten. Seit dieser Zeit - also rund 360 Jahre lang - fand in der Lürbke kein Gottesdienst statt.

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Gespräche über den Bau einer Hubertus-Kapelle

Es ist das Jahr 1946. In einigen Lürbker Familien werden Gespräche über ein eigenes Gotteshaus geführt. Aber die Not der Zeit nach dem 2. Weltkrieg stellt immer wieder andere Probleme zur Lösung. Doch Gedanken lassen sich nicht töten. Sie tauchen immer wieder von neuem auf.

Im Sommer 1947 wird der Faden weiter gesponnen, als Herr Dechant Meierfrankenfeld anläßlich eines Vortrages über Rom in Lürbke weilt. Seine Meinung: „ Den Plan, hier eine Kapelle zu bauen, habe ich schon lange, aber die Kirchengemeinde Lendringsen besitzt in Lürbke keinen Bauplatz“. Und ein paar Monate später: „ Wenn die Kapelle auf der Spitze von Rademachers Keil zu stehen käme, dann könnten alle Lürbker und auch Lendringser Einwohner in 20 Minuten ein Gotteshaus erreichen.

1948: In einer Vorstandsitzung erklärte Brudermeister Heinrich Groß: „Wir haben in unserem Steinbruch genügend Steine für die Kirche in Lendringsen und die Kapelle in Oesbern gebrochen, dann sind auch für unsere eigene Kapelle noch genug darin“. Zementfachmann Heinrich Kordes ergänzt:“ Das müssen wir alle bis auf die Baulöhne in Gemeinschaftsarbeit tun“, und Gärtner Wilhelm Kordes fügt hinzu: „ Lot man goan! Wenn es was zu fahren gibt, stelle ich meinen „Roller“ zur Verfügung“. Die Begeisterung für den Bau einer Kapelle wuchs.

Während des Schützenfestes 1949 saßen hohe Gäste am Königstisch. Einer von ihnen, Herr Landrat Volmert, scherzte, als jemand bemerkte, die Bruderschaft wolle eine Schützenhalle bauen:“ Dann geht es Euch wie den Schützenbrüdern von Mellen, die haben auch erst ein Zelt gebaut, und jedes Jahr am Schützenfest regnet es. Erst müßt Ihr eine Kapelle bauen und dann eine Halle, dann habt Ihr immer schönes Schützenfestwetter. Fangt nur an! In einem Jahr kann die Kapelle fertig sein. Was ich dazu tun kann, das tue ich“.

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Die Bruderschaft beschließt den Bau einer Kapelle

Dieses Wort u.a. war ein Signal für die Schützenbrüder, und bereits am 24. August 1949 wurde während der Abrechnung über das Schützenfest ein kompakter Vorschlag über den Bau einer Hubertuskapelle unterbreitet. Die erste Hutsammlung erbrachte 116,20 DM, die Herr Vikar Habbel, Präses der Bruderschaft, auf der Genossenschaftsbank für den Grundstein anlegte. Für die jungen Menschen von heute sei gesagt, diese Summe war damals der Nettomonatslohn eines Facharbeiters.

 

Die Bruderschaft gründet den Kapellen - Bauverein

Die Schützenbruderschaft St. Hubertus Lürbke, Trägerin des Bauvorhabens, gründete als Nebenabteilung den Kapellen - Bauverein e.V. Lürbke, der sich am 4. Oktober 1949 seine Satzung gab und am 6.03.1950 in das Vereinsregister des Amtsgerichtes Menden unter der Nr. 74 eingetragen wurde.

 

Steinbrucharbeiten

Bereits am 25. August ging es in den Steinbruch, um die erforderlichen Bruchsteine zu brechen. Einige 100 m3; Schutt mußten abgeräumt werden. Feldschienen und Loren wurden herangeschafft, 2 Lichtmasten gesetzt und bei elektrischem Lampenlicht ging es nach Feierabend an die schwere Arbeit - Etwa 120 m3; Steine waren gebrochen, dann erlahmte die Kraft, in erster Linie wohl deshalb, weil die Steine in dem neu angefangenen Bruch nicht die erforderliche Qualität aufwiesen. Um an die brauchbaren Bänke heranzukommen, mußten zuviel Schuttmassen weggeräumt werden. So beschloß man kurzerhand, die Außenmauern der Kirche aus Herdringer Grauwackebruchsteinen zu mauern und die im Lürbker Bruch gewonnenen Steine für die Keller und Grundmauern zu verwenden. Das bedeutete 5.000,-- DM Mehrkosten. Der ungetüme Mut bekam einen ersten Dämpfer.

Viele Kirchen und Kapellen rundum im Sauerland wurden besichtigt, es mögen so an die vierzig gewesen sein. Fragt heute noch jemand danach, wieviel Zeit und Benzin hierfür geopfert wurden?

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Der Bauplatz wird gestiftet

Die Schützenbrüder Rademacher und Rohmann/Osterhaus stellen einen Platz für die Kapelle kostenlos zur Verfügung, den das Kreisbauamt als besten Standort für die Kapelle vorgeschlagen hatte. Herr Notar Schröder fertigte die Schenkungsurkunden für den Kapellen- Bauverein. So hat die Lürbker Kapelle wohl den schönsten Platz im ganzen Ortsteil erhalten, und sie ist auch durch ihre sauberen Außenanlagen zu einem Schmuckstück der Lürbke geworden.

 

Entwurf und Baubeginn der Kapelle

Den endgültigen Entwurf für die St. Hubertus - Kapelle erstellte Herr Architekt Vedder, Menden, bis ins kleinste Detail innerhalb von 8 Tagen, so daß alle Bauleute und Künstler sofort an die Arbeit gehen konnten.

Im Herbst des Jahres 1950 wurde ausgeschachtet und der Vorplatz befestigt.

Am 10. Juni 1951 fing Bauunternehmer Kröger, Lendringsen, zu bauen an. Schnell waren die Fundamente erstellt und bereits am 22. Juli 1951 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Freudentag für die ganze Gemeinde. Die Hammerschläge auf dem Grundstein erbrachten eine Einnahme von 1.300,-- DM.

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Aktivitäten der Schützenfamilien

Wer eine Kirche bauen will, der braucht viel Geld. Und so sehen wir die Lürbker, wie sie Bausteine und Lose verkaufen, Spenden erbitten und selbst opfern, dieser den Erlös eines Schweines oder einer Kuh, jener schwer verdientes bares Geld. Manche DM war sicher schon für andere Zwecke bestimmt. Aus Verzicht wurde Opfer. Eine große Verlosung in drei Dekanaten erbrachte 5.000,-- DM. Die Verlosung der Gewinne fand am 22.01.1950 im Rahmen eines bunten Abends im vollbesetzten Saal Dederich statt. Tage zuvor waren über 200 Gewinne im großen Schaufenster der Eisenwarenhandlung Brauckmann, Lendringsen, ausgestellt: Körbe voll Eier, mehrere Stangen mit Mettwürsten, krähende Hähne, schnatternde Gänse - das fette Schwein war nur im Bild festgehalten - weitere Haushaltsartikel, Radio, Sessell, ein Fahrrad, ein großer Küchenschrank etc. So mancher Lendringser hat sich damals an diesem Schaufenster die „Nase platt gedrückt“.

Sonntag für Sonntag opferten die Schützenfamilien ihre Freizeit, veranstalteten Wunschkonzerte und bunte Abende, spielten Theater für den Bau ihres religiösen Mittelpunktes. Selbst die Lürbker Schulkinder wollten den Erwachsenen nicht nachstehen. Sie führten in Oesbern, Lendringsen und Lürbke Märchenstücke auf, so „Hänsel und Gretel“, „Schneewittchen und die 7 Zwerge“, „König Drosselbart“, um nur einige zu nennen.

Auch die Lendringser Vereine stellten sich immer wieder uneigennützig zur Verfügung, sei es der Kirchenchor St. Josef, die Gesang- und Musikvereine, das Mandolinen- und Zitherorchester, die Laienspielschar der Kolpingsfamilie u.a.

Vielleicht sollte ich noch das Fußballspiel der Lürbker Bruderschaft gegen den Schützenverein Lendringsen erwähnen. Es goß in Strömen, als die beiden Mannschaften auf dem Platz antraten. Aber rechte Schützen lassen sich nicht entmutigen und das schien dem Wettergott zu gefallen. Als der Schiedsrichter im Frack und mit Zylinder auf dem Fahrrad das Spiel anpfiff, zerrissen die dunklen Wolken und los stürmten die fußballbegeisterten Schützenbrüder über den aufgeweichten Platz dahin, und als der erste Kämpfer die Pfützen mit seinem Körper der Länge nach messen mußte, da kam echte Fußballstimmung auf, die sich bis zur Schlußminute steigerte. Was Wunder auch, es wurden 16 Tore geschossen; 8:8 stand das Spiel, als der riesige Wecker am Arm des Schiedsrichters rappelte und das Spiel beendete. Am meisten lachte zum guten Schluß der Kassierer des Kapellen - Bauvereins. Er konnte wieder - 178,-- DM - in die Kasse legen.

So mancher Schützenbruder, der bisher kaum über die Grenzen seines Dörfchens hinausgekommen war, lernte bei diesen Einsätzen seine schöne sauerländische Heimat und deren hilfsbereite Menschen kennen.

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Das Richtfest

Am 29. November 1951 fand das Richtfest statt. Dechant Meierfrankenfeld gab seiner Freude Ausdruck, daß der erste Bauabschnitt so schnell vonstatten gegangen sei und verband damit den Wunsch, daß dieses Werk möglichst bald vollendet sein möge, damit von hier Segen ausgehe in die Familien und darüber hinaus in die größere Gemeinschaft des Dorfes. Wie erst Stein auf Stein fest aufeinandergefügt das ganze Werk standhaft gegen alle Stürme mache, so müßten auch die Glieder der Gemeinschaft zusammenstehen, in treuer Nachbarschaft, dörflicher Gemeinschaft, in Freud und Leid, in Not und Gefahr sowie im Glück. Wörtlich: „ Heute ist es an uns zu danken, zuerst den Zimmerleuten und Gesellen, dann den Gönnern und Spendern, an der Spitze Herrn Landrat Volmert. Der Dank soll auch nicht vergessen werden an alle Lürbker, die immer wieder zupackten, wo es notwendig war. Der heutige Tag ist für mich und wohl für alle Lürbker ein besonderer Freudentag. Wir freuen uns, daß die Richtkrone schon vom Turme flattert und haben die Hoffnung, daß recht bald der Bau noch winterfest erstellt wird. Das ist mein Wunsch und meine Bitte zugleich. Mögen alle Opfer der Spender doppelt Glück zurückbringen zum Wohle ihrer Familien und uns allen, möge im Zeichen dieses Friedenswerkes der Frieden erhalten bleiben“.
Schnell wurden die Giebel hochgemauert. Die Schützenbrüder brachten die Schalungen an und als Dachdeckermeister Hohl gerade noch die Dachpappe darauf genagelt hatte, da setzte Schneefall ein. Es war der 4. Januar 1952. Die Bieberaner sagten damals:“ Diesmal war der Herrgott mit uns im Bunde“.

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Die Kapelle wird geweiht

Am 17. August 1952 weihte Dechant Meierfrankenfeld die Hubertus-Kapelle feierlich ein, genau 800 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung einer Kapelle in Lürbke. Der Tag begann mit einem Weckruf durch die Musikkapellen. Gegen 8.3o Uhr wurden die Geistlichen, dabei der Generalpräses der historischen deutschen Schützenbruderschaften, Geistlicher Rat Dr. P. Louis, Leverkusen, sowie Landrat Volmert in einer festlich geschmückten Kutsche vom Pfarrhaus in Lendringsen abgeholt. Unter lauten Böllerschüssen und begleitet von Reitern, geschmückten Radfahrern, Kranz- und Blumenträgern gelangte der festliche Zug bei der neuen Kirchein Lürbke an. Mit einem Gedicht, gesprochen von einer Schülerin, hieß die Lürbker Bevölkerung unter einer Ehrenpforte den Dechanten willkommen. Anschließend segnete und weihte er das neue Gotteshaus, eine historische Stunde für die Ortschaft Lürbke.

Nach der Einweihungsfeier begrüßte Dechant Meierfrankenfeld die Teilnehmer der Feierstunde. Er wies auf die Entstehung und Verwirklichung des Kirchenbaues hin und gedachte der Arbeit der St. Hubertus Schützen und ihrer Frauen, der Mitglieder des Kapellen-Bauvereins sowie der kirchlichen und weltlichen Stellen, die an diesem Objekt mitgearbeitet hatten.

Ein feierliches Levitenamt war das erste Meßopfer in der neuen Kapelle. Während des heiligen Opfers sang der Lendringser Kirchenchor die „ Deutsche Messe“ von Schubert. Auch der Musikverein Herdringsen trug durch Musikbeiträge zur Verschönerung der Feier bei, wobei das Posaunensolo von Willi Tippach einen würdigen Abschluß bildete.

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Übergabe der Kapelle an St Josef Lendringsen

Die Bruderschaft übergibt die Kapelle der Kirchengemeinde St. Josef Lendringsen

Die Kapelle St. Hubertus Lürbke wurde der Kirchengemeinde St. Josef Lendringsen übereignet, die seitdem die sonntäglichen Gottesdienste hier durchführt. Der Kapellen- Bauverein löste sich auf.

Sechsundvierzig Jahre sind seit der Fertigstellung der Kapelle vergangen. Jahrelang haben die Lürbker Frauen, von Woche zu Woche wechselnd, kostenlos die Kapelle geputzt und geschmückt, und durch Fleiß und Schweiß ist einem jedem Besucher das schmucke Kirchlein ein Stück Heimat geworden.

Die Lürbker Kapelle zeichnet sich durch eine saubere weihevolle Gestaltung des Innenraumes aus. Besondere Beachtung verdienen die Kirchenfenster. Sie wurden von dem damals jungen Künstler Hubert Spierling aus Bösperde entworfen. Unmittelbar ergreifend sind die beiden kleinen rechteckigen Fenster beiderseits des Einganges unter der Empore - St. Elisabeth und St. Martin -. Man spürt, wie hier eine tiefe Auseinandersetzung mit den sozialen Problemen der Gegenwart erfolgt, und die Frage jedem Besucher gestellt wird: „ Wie hältst du`s mit deinen Mitmenschen, bevor du vor Gott hintrittst?“.

Aussagekräftig sind ferner das wuchtige Holzkreuz an der Wand über dem Altarraum von Rautzenberg, Bonn, und die Schutzmantelmadonna, von Jäckel aus Glogau in Schlesien auf dem linken Seitenaltar. Sie breitet ihren schützenden Mantel über alle Menschen aus, die nach dem Zweiten Weltkrieg in tiefer Not und Sorge lebten: Vertriebene und Ausgebombte, Mütter mit ihren Kindern, die um den Vater oder Sohn bangten. Spätheimkehrer mit dem letzten Bündel ihrer Habe, Jugendliche, die den Sinn des Lebens nicht mehr begriffen.Von dieser Schutzmantelmadonna ist so mancher Beter getröstet und beschenkt worden.

Erwähnt werden muß auch der Tabernakel, eine Treibarbeit des großen heimischen Künstlers Wilhelm Hausmann, Menden. Seraphin, sechsflügelige Wesen, - aus lauter Augen gestaltet - umschweben Gottes Thron, Christus in unserer Mitte.

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Die Glocken von St. Hubertus

Ein Wort zu den Glocken. Schon Jahrzehnte vor dem Bau der Hubertuskapelle besaß die Ortschaft Lürbke eine Glocke, die dreimal täglich zum „ Angelus“ rief. Von 1908 bis 1923 befand sich auf der Lürbker Dorfschule ein Glockenturm mit der Dorfglocke, die morgens, mittags und abends vom Lehrer geläutet wurde. Gekauft wurde die Glocke von Lürbker Bürgern. Sie diente in früheren Jahren den Arbeitern auf den Feldern und in den Wäldern zur Angabe der Tageszeit. So erzählt man sich noch heute, daß beim Läuten der Glocke zur Mittagszeit um 12 Uhr die Pferde auf den Feldern auf der Stelle stehenblieben. Sie erkannten am Glockenklang den Beginn der Mittagspause. Auf der Spitze des Glockenturmes der alten Dorfschule stand ein schmiedeeisernes Kreuz mit einem Wetterhahn. Das Kreuz war von Heinrich Schlünder in der alten Schmiede in Lendringsen am Walzweg und der Wetterhahn im Eisenwerk Rödinghausen angefertigt worden. Dieses Kreuz mit dem Wetterhahn steht heute noch auf Ostermanns Giebel. Nachdem das kleine Türmchen auf der Lürbker Schule undicht geworden war, wurde die Glocke - wie die Schulchronik berichtet - „ auf dem Oekonomiegebäude“ des Bauern Hubert Ostermann aufgehängt und dort geläutet ( 1923 - 1952). Nach Fertigstellung der Hubertuskapelle sollten im Turm zwei Glocken aufgehängt werden, neben der Dorfglocke wurde eine zweite von Lendringsen aufgehängt.

Ein gutmeinender Schützenbruder muß wohl geglaubt haben, der Glocke aus Lendringsen ein besseres Aussehen geben zu müssen und strich sie ein paar Tage vor der Kirchweihe mit Farbe an. Das hatte zur Folge, daß beim ersten Geläute von dieser Glocke nur ein Schepperton zu hören war, wenig später gab sie den „Geist“ auf. DieseGlocke muß wohl schon einen Alterssprung gehabt haben.

Im Jahre 1957 wurde das Geläut der Kapelle durch die Anschaffung einer neuen zweiten Glocke wieder vervollständigt. In den Jahren 1956 und 1957 wurde für eine neue Glocke in der Lürbke gesammelt. Nach dem Schützenfest 1957 war die beachtliche Summe von 500.-- DM zusammengetragen.

Die Glocke wurde in der Glockengußabteilung des Bochumer Vereins in Auftrag gegeben. In der Folgezeit kam ein Glockengußmeister dieser Firma und nahm an der alten Dorfglocke eine Tonprobe, hiernach wurde die neue Glocke gegossen und fachmännisch in den Lürbker Glockenturm eingebaut. Seit über 40 Jahren lassen diese Glocken nun gemeinsam ihr Angelus in das Bieber- und Domketal tönen.

 

Achtunddreißig Jahre hat die Familie Rohmann/Osterhaus diesen Läutedienst vorbildlich und immer pünktlich durchgeführt, das heißt, sie haben 3 X 365 X 38 = 41.610 mal geläutet, die zusätzlichen Einsätze anläßlich von Hochzeiten, Taufen und sonstigen kirchlichen Veranstaltungen nicht gerechnet.

Nachdem Theodor Osterhaus zu Beginn der neunziger Jahre aus Krankheitsgründen das manuelle Glockenläuten in der Lürbker Kapelle aufgeben mußte, war es still geworden in Lürbke. Lediglich zum sonntäglichen Gottesdienst riefen die Glocken die Gläubigen zum Gebet. Anlieger vermißten das gewohnte Geläut und so stellten sich die Lürbker Schützen dieser Aufgabe. Sie haben in Eigenleistung ein elektrisches Läutewerk konstruiert und in gemeinsamer Arbeit in den Glockenturm eingebaut. Eingemeinschaftswerk der Schützenbrüder Theoder Ostermann und Berthold Droste, Schützenhauptmann Heinz Spiegermann übernahm die Elektroinstallation. Durch den Einbau des Läutewerks in den Glockenturm der Kapelle haben es die Schützenbrüder geschafft, daß in der Lürbke alles wieder seinen gewohnten Gang läuft.

Mögen uns diese Glocken in aller Zukunft nur friedvolle und ruhige Zeiten verkünden.

In diesem Zusammenhang müssen auch die Frauen und Männer genannt werden, die Sonntag für Sonntag den Kirchendienst versehen oder das Amt des Organisten wahrnahmen. Dazu eine kleine Episode: Der leider viel zu früh verstorbene wortgewaltige Pfarrer und Präses Reisloh hat sicher dann und wann den Schnelligkeitsrekord im Ablegen der Meßgewänder nach dem Gottesdienst aufgestellt. Wie das vonstatten ging, das sei verschwiegen. Aber während die Kirchenbesucher noch das Schlußlied sangen, stand er oftmals als erster am Ausgang der Kirche und begrüßte seine „Schäfchen“ und sprach mit seinen Dorfbewohnern.
Entsetzt war nur die Küsterin, denn sie mußte ja alle Gewänder wieder gewissenhaft bügeln und für den nächsten Gottesdienst herrichten.

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Die Kosten der Kapelle

Viele Menschen werden fragen: „ Was hat die Kapelle gekostet?“ Der ursprüngliche Kostenvoranschlag belief sich auf 57.674,53 DM. Am 20. November 1952 wurde dem Generalvikariat in Paderborn die Abrechnung des Kapellen-Bauvereins Lürbke e.V. mit sämtlichen Belegen vorgelegt.

Sie umfaßte:
1. Bargeldausgaben in Höhe von DM 61.205.88
2. Der Wert des gestifteten Materials betrug: „ 22.275,14
3. Der Wert der eigenen Arbeitsleistung „ 11.315,38
4. Rechnungen, die Privatfirmen bezahlten: „ 2.532,12
5. Noch vorhandene Schulden „ 2.337,43
_____________
Das sind: DM 99.665,95
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Der kurzfristig erforderliche Ausbau wurde zusätzlich mit 9.540,-- DM vermerkt, so daß wir sagen können: Bis zum Jahre 1953 hat die Schützenbruderschaft Lürbke für die Kapelle rund 110.000,-- DM ausgegeben.

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Umgestaltung des Altarraumes

Durch die Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils im Jahre 1965 bemühte sich die Kirche, die heilige Messe sichtbar zum Volke hin zu gestalten. So wurde unter Präses Johannes Kemper auch der Altarraum der Lürbker Kapelle neu gestaltet, was von allen Gläubigen freudig begrüßt wurde.

 

Neugestaltung der Kapelle 1991

Die Kirchengemeinde St. Josef Lendringsen - allen voran unser Pastor und Präses der Bruderschaft, Herr Rupert Bechheim - hat im Jahre 1991 die St. Hubertus Kapelle von Grund auf liebevoll renovieren lassen, so daß „ die vorhandenen Strukturen der Kirche deutlicher hervorgehoben werden, besonders bei der Holzdecke, sowie den Fensterlaibungen“.


Hier sollen genannt werden:

1. Sanierung der Stirnwand der Kirche wegen durchdringender Feuchtigkeit
2. Einbau der neuen Heizungsanlage
3. Belegung des Fußbodens mit Marmorplatten
4. Herstellung und Einbau eines elektrischen Läutewerkes für die Glocken durch Schützenbrüder
5. Einbau einer neuen Beleuchtung der Kirche
6. Ausmalen des gesamten Kirchenraumes nach Angaben der Kunstabteilung Paderborn

Dazu der Präses:
„ Durch die Ausmalung der einzelnen Elemente ist am sichtbarsten der Altarraum mit dem wuchtigen Holzkreuz - umrahmt von Alpha und Omega - in den absoluten Blick - und Mittelpunkt des Gotteshauses gerückt worden, eine Gesamtaufwertung des Gottesdienstraumes, dazu als schönstes Geschenk für die Gestaltung des Gottesdienstes eine hervorragendklingende Pfeifenorgel mit sechs Registern, ein Meisterwerk des jungen Orgelbauers Ulrich Lohmann aus Hamm“.

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Die Orgelweihe

Am 21. April 1991 fand eine eindrucksvolle Orgelweihe durch Herrn Pfarrer Bechheim statt unter Beteiligung von Johannes Krutmann, Hamm, an der Orgel - früher Lendringsen, dem Kirchenchor St. Josef Lendringsen und Solisten.

Die gesamten Baukosten sind in der üblichen Weise finanziert und dank der vielseitigen Spenden und der vielfachen Eigenleistungen ohne einen Pfennig Schulden abgerechnet worden.

Die neu gestaltete Kapelle findet heute eine sehr dankbare Annahme zu gleichen Teilen von den andächtigen Lürbkern wie Lendringsern. Sie wird besonders als Hochzeitskapelle sehr gern in Anspruch genommen wegen ihrer überschaubaren Größe und ansprechenden Gestaltung des Innenraumes“.

Unsere Lürbker Kapelle, ein Gotteshaus auf historischem Grund, ist nicht nur das Gotteshaus aus Stein; sie ist für uns Menschen ein Stück geistige Heimat, sie ist Sinnmitte unserer Gemeinschaft.

Möge besonders die junge Mannschaft unserer Schützenbruderschaft sich dieser Aufgabe immer bewußt sein, sich ihrer Verantwortung stellen und sie freudig weitertragen von Generation zu Generation. Das ist unser aller Wunsch für die Zukunft.

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